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© Jeff Wall

JEFF WALL

Blind Window II

2000

Farbfotografie/Lichtbox
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

149.5 × 186 cm

zur  Biographie

Der Lichtwurf des Farbdias Blind Window II (2000), von hinten von Fluoreszenzlicht durchleuchtet, erfüllt in seiner materiellen Präsenz den Raum des Betrachters. "Transparencies" in Leuchtkästen sind das Markenzeichen des kanadischen Künstlers Jeff Wall, der seit den späten 1970er Jahren dieses fotografische Verfahren anwendet. Es ist von der Werbetechnik der Billboards im kommerzialisierten urbanen Raum inspiriert. Walls Werk könnte man als die Erneuerung des Projekts "peintre de la vie moderne" mittels der Verschränkung von dokumentarischer Fotografie und "cinematografischer" (Wall) Inszenierung beschreiben. Ein Grundzug seines Werks ist die Neu-Interpretation bestimmter (vor allem malerischer) Bildtypen. Mit seinem Interieur ohne Figuren bzw. diesem besonderen Stillleben begibt sich Jeff Wall auf eine spannende Reise in den Bereich des Banalen – in einen fast leeren Lager- oder Atelierraum. Einerseits ist das Fenster zur Wirklichkeit (im Verständnis der Renaissance) verrammelt, andererseits ist das Bild ein Spiegel, voll und leer, flach und tief zugleich. Die Nähe zur Malerei der geometrischen Abstraktion und ihrer Doktrin der Reinheit lässt sich nicht leugnen. Wie im Falle von Walls ebenfalls kleinformatigen Diagonal Compositions ist Blind Window II ein eigenständiges Werk, aber auch Teil einer Gruppe von drei "blinden Fenstern". Wobei das Dritte (ein C-Print) im Unterschied zu den beiden ersten im Stil dokumentarischer Fotografie, den Blick auf ein verblendetes (Keller-)Fenster von außen zeigt. Grenzen haben immer zwei Seiten. Der dargestellte Raum, von dem wir nur einen Teil sehen, ist quasi besenrein und verweist somit auf ein potenzielles Ende oder einen Anfang wie bei einem Ein- oder Auszug.
Blind Window II zusammen mit Blind Window I lassen sich auch als Anknüpfung an das Fenstermotiv in Walls eigentlich erstem Bild The Destroyed Room, 1978, auffassen, das auf Eugène Delacroix’ heroisches Ideal der Historienmalerei La mort de Sardanapale (1827, Musée du Louvre) zurückgeht. Bei Delacroix sieht der Betrachter nicht, was der orientalische Herrscher in seinem Todestraum auf sich zukommen sieht. Der Betrachter von The Destroyed
Room weiß nichts über den Grund der Zerstörung, deren Resultat er vor sich sieht. So behält auch Walls kleines "Fenster"- und Wandbild eine Rätselhaftigkeit, die auf eine grundlegende Paradoxie allen Darstellens aufmerksam macht, nämlich wie Sichtbarkeit immer auch Blindheit erzeugt.

 

Hubert Beck

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