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© VG Bildkunst, Bonn 2013

JÖRG SASSE

„7127“

2003

Farbfotografie
Inv. Nr. DZ BANK-Sammlung im Städel Museum

130 × 200 cm

zur  Biographie

Jörg Sasse ist derjenige der Absolventen der ehemaligen Fotografie-Klasse von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie, bei dem die Tatsache, dass er an und mit einem Archiv arbeitet, in seinem Werk besonders zur Geltung kommt. Er hat am entschiedensten und schon sehr früh mit dem Computer gearbeitet. Unersättlich sammelt er seit gut 25 Jahren Fotos der unterschiedlichsten Art, vor allem aber Farbfotografien von Amateuren, und filtert daraus Material für seine künstlerische Untersuchung heutiger Bildidentitäten. Seit einigen Jahren stellt er neben seinen Tableaus auch so genannte Skizzen aus. Der Künstler sagt selbst dazu: "Der Begriff Skizzen benennt jenen Teil meiner Arbeit, der im gesamten Prozess den größten Raum einnimmt. Nach der Recherche und dem Beschaffen oder dem eigenen Fotografieren folgt das Sichten des Materials. Dabei fällt die Entscheidung, welches Foto mit Hilfe des Rechners weiter bearbeitet wird. Die
Ergebnisse dieser ersten, meist kurzen Bearbeitung sind die Skizzen. Einige wenige von ihnen dienen später als Ausgangsmaterial für die Tableaus." Wie weit seine Bearbeitungen mitunter gehen, zeigt das Beispiel 9961, 1995, das durch die flimmernde Auflösung der Gegenständlichkeit in Farben und zweidimensionale Formen deutlich der abstrakten Malerei angenähert ist. Die ursprünglich banale Vergnügungsszene am städtischen Teich im Sommer strahlt eine Bedrohlichkeit aus, als sei das Unbewusste aus der Tiefe aufgetaucht. Dies umso mehr, als durch die Atmosphäre sommerlichsonntäglicher Ruhe in der Stadt eine impressionistische Stimmung entsteht. Die Arbeit lässt beispielhaft erkennen, dass das figürliche Motiv bei Sasse eher randständig ist: Der Mensch erscheint nicht selten als Fremder in einer Welt, in der die Dinge immer schon mächtiger sind als wir selbst. In der Mitte ("Medium") zwischen Welt und Fotograf platziert, verspricht die Kamera Konzentration und Transformation, schafft Zugang und Abgrenzung zugleich. Sasse kann exemplarisch für den heutigen Künstler als vorbildlichen Betrachter stehen, der den früheren Künstler als genialischen Schöpfer abgelöst hat. Er möchte selbst vor einer Arbeit stehen und staunen. Staunen wohl nicht zuletzt darüber, dass die Bilder so aussehen wollen, wie sie tatsächlich aussehen. So hält er die Frage nach dem Bild offen: "Zu interessant scheint mir die Eigenschaft der Fotografie zu sein, zwischen dem Verweis auf ‚Wirklichkeit’ und dem autonomen Bild changieren zu können."

Hubert Beck
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