Ausstellungen / Archiv / 2007

"MIT DIESER MEHR ALS HUNDERT WERKE UMFASSENDEN AUSSTELLUNG IST ES GELUNGEN, EINEN WICHTIGEN ASPEKT DER KUNST- UND GEISTESWELT LEBENDIG WERDEN ZU LASSEN."

Kunst und Auktionen, 18. Januar 2008 zur Ausstellung "Cranach der Ältere" (23. November 2007 bis 17. Februar 2008)

Peter Paul Rubens und Jan Boeckhorst, König David spielt die Harfe, um 1616, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Artothek
19. September 2007 bis 30. März 2008 - Kabinett zum Main

FOKUS AUF PETER PAUL RUBENS UND JAN BOECKHORST

König David spielt die Harfe, um 1616, Ende der 1640er Jahre erweitert, Inv. Nr. 1043

Das Gemälde "König David spielt die Harfe" von Peter Paul Rubens und Jan Boeckhorst gehört seit 1867 zu den herausragenden Beispielen der Sammlung flämischer Barockmalerei im Städel Museum.

Darüber hinaus liefert es einen Einblick in die damals übliche Werkstattpraxis, denn nur ein Teil des Gemäldes stammt von Rubens’ Hand: Der Kopf entstand um 1616 als Studie auf einer kleinen Tafel.

Erst nach Rubens’ Tod wurde der Charakterkopf oder die "Tronie" durch seinen ehemaligen Mitarbeiter Boeckhorst durch zwei Bretter vergrößert und in das vollwertige Bild des König David verwandelt.

Die Ausstellung zeigt die Verwendung der "Tronie" bei Rubens und beleuchtet die Erweiterung durch Boeckhorst, der Rubens’ Kopf nicht nur "ungekrönt", sondern auch völlig unangetastet beließ.

Dokumentiert wird auch die zeitgenössische Rezeption von Boeckhorsts "David". Eine Leihgabe aus Privatbesitz wird dem "David" als weiteres Beispiel eines Studienkopfes von Rubens gegenübergestellt, der nach einer ähnlichen Erweiterung gleichfalls auf dem Antwerpener Kunstmarkt angeboten werden konnte.

Kuratorin: Dr. Agnes Tieze (Städel Museum)

Gefördert durch die Schering Stiftung


Carl Friedrich Lessings, Ezzelino Romano, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Artothek
19. September 2007 bis 30. März 2008 - Kuppelsaal

STREITBILDER

Szenen aus der Gründungsgeschichte des Städel

Die Präsentation im Kuppelsaal gruppiert Werke aus der Gründungszeit des Städelschen Kunstinstituts und den für das Institut sammlungspolitisch entscheidenden Folgejahren bis ins späte 19. Jahrhundert.

Basierend auf dem Konzept der "Streitbilder" - der Präsentation über die Anfänge des Städel im Treppenhaus - gibt die konzentrierte Schau Einblicke in die verschiedenen künstlerischen Richtungen jener Zeit: von der durch christliche Themen inspirierten Kunst der Nazarener bis zur Historien-, Landschafts-, und Genremalerei, in der sich das neue Interesse an der nationalen Geschichte, der Natur und dem alltäglichen Leben manifestierte.

In den ausgestellten Werken Johann Friedrich Overbecks, Julius Schnorr von Carolsfelds, Louis Gallaits, Carl Friedrich Lessings und Jacob Beckers werden nicht nur die verschiedenen künstlerischen und akademischen Richtungen im 19. Jahrhundert, sondern auch die Erwartungen des deutschen Publikums jener Zeit an die Kunst für den Betrachter sichtbar.

Kuratorin: Dr. Sabine Schulze (Städel Museum)


23. November 2007 bis 17. Februar 2008 - Städel-Anbau, EG

CRANACH DER ÄLTERE

Das Städel versammelt in einer umfassenden Ausstellung über 70 Meisterwerke von Lucas Cranach, dem großen Maler der Reformation, aus allen wichtigen internationalen und nationalen Museen und Sammlungen. Populärer und wirtschaftlich noch erfolgreicher als sein Zeitgenosse Albrecht Dürer hat Lucas Cranach die Bildwelt der Deutschen wohl am nachhaltigsten geprägt. Religiösen Themen hauchte er völlig neues Leben ein. Seine Spezialität waren jedoch perfekt gemalte erotische Darstellungen. In diesen schuf er ein zeitloses Ideal weiblicher Schönheit, das noch im 20. Jahrhundert die Künstler von Picasso bis Giacometti angesprochen hat. Die Ausstellung wird neben der Darstellung eines hochkarätigen Querschnitts durch Cranachs gewaltiges Œuvre versuchen, dem Geheimnis seines Erfolges näher zu kommen.

Kurator: Dr. Bodo Brinkmann (Städel Museum)

Weitere Station: Royal Academy of Arts, London, 12. März bis 8. Juni 2008

Gefördert durch die Commerzbank Stiftung und Kohlberg Kravis Roberts & Co

Mit zusätzlicher Unterstützung von der Fraport AG, der Fazit-Stiftung und der Alnatura Produktions- und Handels GmbH


Petrus Christus, Madonna mit Kind und den heiligen Hieronymus und Franziskus, 1457, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Artothek
24. Oktober 2007 bis Februar 2008 - Galerie, Saal 4

NIEDERLANDE UND DEUTSCHLAND. EIN DIALOG IM 15. JAHRHUNDERT

Werke des Hessischen Landesmuseums Darmstadt im Kontext der Sammlung des Städel Museums

Die beiden am Mittelrhein um 1440 entstandenen Flügel eines Passionsaltars aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt, denen der "Meister der Darmstädter Passion" seinen Notnamen verdankt, können als Paradebeispiele für den starken Einfluss niederländischer Kunst auf die deutsche Malerei der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelten.

Sie sind neben weiteren Werken des "Meister der Darmstädter Passion", des "Meisters von Grossgmain" und des "Meisters der Madonna von Covarrubias" Teil der thematischen Präsentation "Niederlande und Deutschland: Ein Dialog im 15. Jahrhundert", in der im Altniederländer-Saal des Städel Museums der niederländische Einfluss auf deutsche Meister jener Zeit veranschaulicht wird.

Mit den "Flémaller Tafeln" des nach ihnen benannten "Meisters von Flémalle" oder mit Jan van Eycks "Lucca-Madonna" bietet die berühmte Altniederländersammlung des Städel eine Reihe hochkarätiger Vergleichsobjekte, die den postulierten Zusammenhang überzeugend belegen.

Kurator: Dr. Bodo Brinkmann


Albrecht Dürer (1471-1528), Adam und Eva, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Peter McClennan
27. September 2007 bis 6. Januar 2008 - Graphische Sammlung

ALBRECHT DÜRER. DIE DRUCKGRAFIKEN

Die Druckgrafik war für Albrecht Dürer (1471-1528) ein Medium, in dem er, mehr als in Malerei und Zeichnung, sein innovatives künstlerisches Schaffen einem europaweiten Publikum bekannt machen konnte.

Das Städel besitzt einen umfangreichen und kostbaren druckgrafischen Bestand Dürers, der aus konservatischen Gründen nicht permanent ausgestellt werden kann und zuletzt vor über 30 Jahren präsentiert worden ist.

Die aktuelle Ausstellung zeigt nicht nur die wertvollsten Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen von Dürer, sondern führt auch die Entwicklung seines gesamten druckgrafischen Werks exemplarisch vor Augen.

Aufgrund der hohen Qualität der rund 170 gezeigten Blätter vermittelt sie anschaulich einen Eindruck von der singulären technischen und künstlerischen Meisterschaft, die Kupferstich und Holzschnitt um 1500 durch Dürer erlangten.

Kurator: Dr. Martin Sonnabend

Weitere Stationen: Guggenheim Museum, Bilbao, 26. Juni bis 9. September 2007

Gefördert durch die Georg und Franziska Speyer`sche Hochschulstiftung


Angel Peychinov, Der Sprung 1, 2007, Öl auf Leinwand, Foto: Alexander Heimann
19. Oktober bis 4. November 2007

HIT THE ROAD, JACK

Absolventenaustellung der Städelschule

Ganz im Sinne des Stiftungsbriefs von Johann Friedrich Städel und seiner Idee, Sammlung und Lehre zu verbinden, kooperieren das Städel Museum und die Städelschule anlässlich der Schlusspräsentation des Abschlussjahrgangs der Hochschule.

In der fünften Ausgabe dieser noch jungen Tradition werden dieses Jahr die Absolventen der Klassen Christa Näher, Willem de Rooij, Michael Krebber, Mark Leckey, Simon Starling, Wolfgang Tillmans und Tobias Rehberger gemeinsam ihre neuesten Arbeiten im Erdgeschoss des Ausstellungshauses zeigen.

Die Städelschule Absolventenausstellung wird unterstützt von Allen & Overy LLP, Frankfurt


William Kentridge, Zeichnung für „What Will Come“ (1-6), 2007, Kohle auf Papier/ Charcoal on paper, Courtesy: William Kentridge, Foto: John Hodgkiss
2. Juni bis 5. August 2007 - Graphische Sammlung

WILLIAM KENTRIDGE: WHAT WILL COME (HAS ALREADY COME)

Mit der Präsentation neuer Arbeiten – Zeichnungen, Drucke, Stereoskopien und einer 8-minütigen filmischen Anamorphose – schließt William Kentridge sein Engagement als erster Inhaber der Max-Beckmann-Stiftungsprofessur in Frankfurt ab.

Kentridges Interesse gilt der Fülle von Sehmodellen, mit denen sich Wissenschaft, Populärkultur und Kunst seit der Frühen Neuzeit auseinandergesetzt haben. Allem voran inspirierten ihn Albrecht Dürers Holzschnitte aus dem Lehrbuch Underweysung der Messung von 1525, in denen Dürer sich mit der Proportionen und Perspektive auseinandersetzt.

In der Ausstellung What Will Come (Has Already Come) widmet sich Kentridge den komplexen Prozessen der Wahrnehmung. Es ist sein Anliegen, dass der Betrachter nicht nur das Gesehene immer wieder hinterfragt, sondern vor allem das Sehen selbst.

In diesem Zusammenhang verwendet und thematisiert er Guckapparate und Sehmaschinen, die den Prozess der sensorischen Wahrnehmung unmittelbar bewusst werden lassen: Stereoskope und Zerrspiegel, eine filmische Anamorphose sowie Zeichnungen und Objekte, die zu ihrer Herstellung dienten.

Für die Ausstellung im Städel Museum, die seine Arbeit an der Städelschule abschließen wird, wird Kentridge aus den Beständen der Graphischen Sammlung Arbeiten alter Meister auswählen, in denen sich die gleichen Fragestellungen finden.

Kuratorin: Dr. Sabine Schulze

Weitere Stationen: Kunsthalle Bremen, 28. August bis 23. September 2007

Gefördert durch die Atlanta AG


Ernst Wilhelm Nay, Rotklang, 1962, Städel Museum, Frankfurt am Main, Copyright: E. Nay-Scheibler, Köln, Foto: Artothek
26. April 2007 bis 7. Oktober 2007 - Städel-Anbau OG

KONSTELLATIONEN II. VON GERHARD RICHTER BIS CARSTEN NICOLAI

Ernst Wilhelm Nay, Rotklang, 1962, Städel Museum, Frankfurt am Main, Copyright: E. Nay-Scheibler, Köln, Foto: ArtothekNeue Schenkungen im Kontext der Sammlung

"Konstellationen II" wird eine neue Zusammenstellung von Gemälden, Skulpturen, Installationen und Arbeiten auf Papier der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Städel Museums präsentieren.

Kuratoren: Max Hollein, Dr. Jutta Schütt und Dr. Sabine Schulze (Städel Museum) 


Ernst Ludwig Kirchner, Das Leben, Städel Museum, Frankfurt am Main, Copyright: Ingeborg & Dr. Wolfgang Henze-Ketterer, Wichtrach/Bern
26. April bis 9. September 2007 - Kabinett zum Main

FOKUS AUF ERNST LUDWIG KIRCHNER: DAS LEBEN, 1928–1932 (INV. NR. 2111)

"Das Leben" ist mit knapp drei mal drei Metern die größte und an Motiven reichste Webarbeit des deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Vor dem Hintergrund des einfachen bäuerlichen Lebens in den Schweizer Bergen formulierte Kirchner das Motiv eines Weltentwurfs mit der Gegenüberstellung von Land- und Stadtmenschen und ließ somit biografische Aspekte in das Werk einfließen. Der Wandteppich entstand nach den Vorlagen Kirchners durch die Hand der Weberin Lise Gujer, Idee und Auftrag gehen auf den Sammler und Mäzen Carl Hagemann zurück.

Die Ausstellung lenkt den Blick auf dieses herausragende Werk Kirchners und zeichnet die Auftragsvergabe, die Werkentwicklung, den Entstehungsprozess sowie den Weg ins Städel im Jahr 1966 nach.

Kuratorin: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum)

Gefördert durch die Schering Stiftung


Wilhelm Lehmbruck, Büste der Sinnenden (Mädchen mit schlankem Hals), 1914, Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum Städelscher Museums-Verein e.V.
26. April bis 19. August 2007 - Kuppelsaal

WILHELM LEHMBRUCK

Büsten. Die Rückkehr einer 1937 beschlagnahmten Skulptur ins Städel Museum

Anlass zur Ausstellung gibt eine großzügige Leihgabe des Kirchner Museums in Davos: Temporär kehrt die Büste "Kopf der Knienden" von 1914 in das Städel Museum zurück – 1937 was das noch zu Lebzeiten Lehmbrucks erworbene Stück im Zuge der nationalsozialistischen Beschlagnahmungskampagne dem Haus entzogen worden.

Die Ausstellung rund um diese Arbeit lenkt den Blick des Betrachters unter Einbeziehung weiterer Werke aus dem Städel sowie einiger Leihgaben auf einen bis dato wenig betrachteten Aspekt im Œuvre Lehmbrucks: die subtile und differenzierte Arbeit mit Teilabgüssen in unterschiedlichen Materialien.

Die Vergleiche zwischen Ganzfiguren und Teilabgüssen im Werk des großen deutschen Plastikers des beginnenden 20. Jahrhunderts machen bewusst, welchen Einfluss künstlerische Entscheidungen – für einen bestimmten Ausschnitt, ein spezielles Material – auf die Wahrnehmung von Kunst haben.

Kuratorin: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum)


Henry Raeburn, Henry Raeburn Inglis (Boy and Rabbit), 1814, Royal Academy of Arts, London, Courtesy: The Royal Academy of Arts, London, Foto: Photography Prudence Cuming Associates
20. April bis 15. Juli 2007

DIE ENTDECKUNG DER KINDHEIT

Das englische Kinderporträt und seine europäische Nachfolge

Kindliches Lachen, erhitzte Wangen, vor Lebenslust blitzende Augen – wir haben viele Assoziationen, wenn wir an Kinder denken. Eine glückliche, erfüllte Kindheit gehört zu unseren schönsten Erinnerungen, und wir wünschen sie uns für die eigenen Kinder. Doch wie lange schon betrachtet man Kinder als ausgeprägte Persönlichkeiten in einer eigenständigen Lebensphase?

Die Entwicklung des Kinderporträts im 18. Jahrhundert zunächst in England, später auch auf dem Kontinent macht die veränderte Wahrnehmung der Kindheit deutlich. Lange Zeit wurden die Kinder vor allem als Garanten familiärer Kontinuität gesehen: In steifen Kleidern posieren sie vor dem Betrachter, Säulen und kostbare Attribute dokumentieren ihren hohen gesellschaftlichen Status, Wappen oder der im Hintergrund sichtbare Familiensitz lassen keinen Zweifel daran, dass auf ihnen die Hoffnung auf dynastischen Fortbestand ruht.

Dies ändert sich im 18. Jahrhundert grundlegend. Die in ganz Europa rezipierten Schriften von John Locke (1632–1704) und später Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) formulieren ein neues Bild der Kindheit. Diese wird zunehmend als wichtige Lebensphase erkannt, in der die Kinder, von den Erwachsenen nur behutsam geleitet, sich selbständig entwickeln und auf diese Weise ihre Persönlichkeit ausprägen.

Das kürzlich für das Städel erworbene Porträt der "Kinder des Lord George Cavendish" von Thomas Lawrence bietet den Anlass zu dieser Ausstellung. Es steht beispielhaft für die neue Sicht auf die Kindheit, denn ohne die Begleitung von Erwachsenen und damit sich selbst überlassen, streifen die Kinder neugierig durch die Landschaft. Ihr natürliches Auftreten steht im Einklang mit der sie umgebenden ungebändigten Natur.

Sehr genau beobachtete Lawrence die kindlichen Verhaltensweisen: Der Älteste, William, steht ernst und verantwortungsbewusst vor dem Betrachter, während sein jüngerer Bruder George vergnügt seinen Hut schwenkt. Beide Jungen flankieren ihre kleine Schwester Anne, deren selbstbewusster, kecker Blick verrät, dass sie der verwöhnte Mittelpunkt der Familie ist. Mit einem lockeren, schnellen Pinselstrich erfasste Lawrence die kindlichen Züge, aber auch die unwegsame Landschaft. Die fließenden Konturen, die leuchtenden, frischen Farben und die schimmernden Glanzlichter verstärken den Eindruck einer Momentaufnahme.

Als Begründer der modernen Porträtmalerei in England gilt Anthonis van Dyck, deshalb stehen seine Kinderporträts am Beginn der Ausstellung. Auch wenn Säulen und kostbare Stoffe noch den repräsentativen Charakter dieser Darstellungen unterstreichen, so gelang Van Dyck bereits die einfühlsame Wiedergabe des kindlichen Liebreizes.

Im 18. Jahrhundert griffen Thomas Gainsborough und Joshua Reynolds auf dieses bewunderte Vorbild zurück. Ihre Kinderbildnisse zeigen die kleinen Persönlichkeiten häufig in der freien Natur, die an die zeitgleich entwickelten englischen Landschaftsgärten erinnert.

Kuratorin: Dr. Mirjam Neumeister (Städel Museum)

Weitere Station: Dulwich Picture Gallery, London, 1. August bis 4. November 2007

Gefördert durch die American Express Stiftung

Mit zusätzlicher Unterstützung von der Stanley Thomas Johnson Stiftung


Hans Baldung Grien (1484/85-1545), Zwei Hexen, 1523, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Ursula Edelmann
24. Februar bis 13. Mai 2007

HEXENLUST UND SÜNDENFALL

Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien

Hans Baldung genannt Grien (1484/85–1545) war einer der bedeutendsten deutschen Maler des 16. Jahrhunderts und der wohl talentierteste Zeitgenosse und Schüler Albrecht Dürers. Der große deutsche Renaissancekünstler fertigte zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche, aber auch Holzschnitte und Glasmalereien für kirchliche und private Auftraggeber.

Dabei beschränkte er sich in seinen Werken nicht auf traditionelle religiöse Sujets, sondern wandte sich während seiner gesamten Schaffensphase immer wieder seinem Lieblingssujet zu: dem Frauenkörper. Baldung war fasziniert, ja geradezu besessen vom nackten weiblichen Körper, dem er immer wieder neue Interpretationen abgewann, so z. B. als sündiger Eva oder als blutjunger, vom Tode bedrohter Schönheit.

Vor allem aber dienten ihm die weiblichen Akte zur Gestaltung eines Themas, das in jener Zeit die Gemüter bewegte und an das sich vor ihm kaum ein Künstler gewagt hatte: die Darstellung von Hexen. Wiederholt hat Baldung die Hexen und ihre mysteriösen Rituale in Zeichnungen und Drucken geschildert; ein einziges Mal hat er sie auch gemalt.

Sein Frankfurter Gemälde "Die zwei Hexen" steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Es bietet nicht nur einen Ausflug in die Welt der schwarzen Magie; der zeitgenössische Betrachter wurde vielmehr durch das Bild zu Reflexionen über die unterschiedlichsten Themen angeregt: über die erotische Ausstrahlung der Frau, über käufliche Liebe und ihre möglichen Folgen wie die Syphilis, über die Gesetzmäßigkeiten kör-perlicher Schönheit und den Versuch, ihnen im Maleratelier auf die Schliche zu kommen.

Ironisch kommentiert Baldung in seinem Bild nicht nur zeitgenössische Ansichten zum Hexenwesen; er spielt auch auf die kunsttheoretischen Lehren des Meisters Dürer an.

Die Ausstellung präsentiert sämtliche Hexendarstellungen Hans Baldung Griens: delikate, mit dem Betrachter als lüsternem Voyeur kalkulierende Hell-Dunkel-Zeichnungen auf getönten Papieren ebenso wie Holzschnitte, die zu den allerersten Experimenten mit dem Farbdruck gehören. In den neun verschiedenen Stationen der Ausstellung werden insgesamt über 40 Exponate von Baldung und weiteren Künstlern das einzigartige Tafelbild in den Kontext zeitgenössischer Anschauungen und in Baldungs Gesamtwerk einordnen.

Damit wird dem Besucher ein Erfahrungshorizont eröffnet, den auch ein zeitgenössischer Betrachter des Bildes um die Mitte des 16. Jahrhunderts gehabt haben könnte.

Die Ausstellung wird von der Hessischen Kulturstiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.


Meister der Wormser Tafeln (tätig um 1260), Hessisches Landesmuseum, Darmstadt
1. Februar 2007 bis 31. Juli 2007

HERAUSRAGENDE WERKE DES HESSISCHEN LANDESMUSEUMS DARMSTADT

"Die Anfänge der deutschen Tafelmalerei"

Die Darmstädter Werke werden in mehreren aufeinander folgenden Präsentationen in die Sammlung des Städels integriert und diese ergänzen. Dabei werden einzigartige Gegenüberstellungen von Meisterwerken beider Häuser neue Sehzusammenhänge erschließen und die Wahrnehmung spezifischer Qualitäten schärfen. Das vierjährige Projekt bietet nicht nur eine Reihe kunsthistorischer Höhepunkte, sondern ist auch als wesentlicher Teil des Gesamtkonzeptes des Städel Museums zu verstehen, in dessen Zentrum die Vermittlung und Kontextualisierung der Sammlung steht.

Die Präsentation über die Anfänge der deutschen Tafelmalerei findet ab dem 11. Oktober ihre Fortsetzung mit »Niederlande und Deutschland: Ein Dialog im 15. Jahrhundert«, in der im Altniederländer-Saal des Städel Museums der niederländische Einfluss auf deutsche Meister jener Zeit veranschaulicht wird.

Den Auftakt der Kooperation bildet ab dem 2. Februar 2007 die Präsentation "Die Anfänge der deutschen Tafelmalerei". Die um 1260 entstandenen "Wormser Tafeln", ehemals Flügel eines frühen Altarwerks, gehören zu den ältesten Zeugnissen der deutschen Tafelmalerei.

Gemeinsam mit dem um ein gutes Jahrhundert jüngeren »Großen Friedberger Altar« (beide stammen aus der Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt) rahmen sie die um 1330 anzusetzenden Flügel des »Altenberger Altars« im Städel Museum zeitlich ein. Diese Suite markiert im Kern nichts Geringeres als die Entstehungsgeschichte des Altarretabels nördlich der Alpen.

Ergänzt wird die Präsentation durch die kleine Marienkrönung eines Nürnberger Meisters um 1350/60 und das »Gebet am Ölberg« des Meisters des Nürnberger Marienaltars (um 1400) aus dem Städel sowie den »Siefersheimer Altar« (um 1400/10) und den »Kleinen Friedberger Altar« (um 1440) aus Darmstadt mit seiner 1380 entstandenen Madonnenfigur. So lässt sich auf engstem Raum und anhand von Exponaten höchster Qualität die stilistische Entwicklung in der Tafelmalerei von der Mitte des 13. bis ins frühe 15. Jahrhundert ebenso verfolgen wie die Genese unterschiedlicher Bildprogramme und Darstellungsmodi.

In Kooperation mit dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt

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