Sammlung / Restaurierung / Parmigianino: Saturn

 
Vorbereitung einer Druckgrafik für eine Ausstellung

PARMIGIANINO: SATURN

In der Ausstellung "Parmigianino und sein Kreis" sollen zu den Arbeiten aus der Sammlung Baselitz ausgewählte Blätter der Graphischen Sammlung im Städel gezeigt werden. Zu "Saturn oder Allegorie der Zeit" von Ugo da Carpi (nach Parmigianino), Clair-obscur-Holzschnitt, vier Platten (braungrau), 322 x 434 mm, zweiter Zustand, wird vom Kurator das Exemplar der Städelsammlung im ersten Zustand, Clair-obscur-Holzschnitt, vier Platten (mauve), gewählt. So wird dem Publikum die einmalige Gelegenheit geboten, beide Druckzustände im Original zu vergleichen.

Die konkrete Arbeit der Grafikrestauratorin im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung soll an diesem Beispiel exemplarisch veranschaulicht werden.

1 Der Holzschnitt ist insgesamt in einem guten Erhaltungszustand. Ein kleines Loch mitten im Blatt, eine Verletzung des unteren rechten Blattrandes und eine winzige Fehlstelle in der unteren rechten Ecke sollen geschlossen werden. So kann mit kleinen Eingriffen ein in sich geschlossenes Erscheinungsbild der Grafik hergestellt werden.

Im Streiflicht zeigt das Blatt die leicht raue Oberfläche eines gräulichbeigefarbenen Papiers des 16. Jahrhunderts, das herstellungsbedingt an der unteren Kante wellig ist. In der Blattmitte lässt das Papiervlies senkrecht Spuren der Trockenleine erkennen, auf die das geschöpfte Papier nach dem Pressen zum Trocknen gehängt wurde. Einige leichte Knicke und Knitterungen weisen auf eine unsachgemäße mechanische Beanspruchung in früherer Zeit hin.

 

 

2 Auf der Rückseite der Grafik ist deutlich der Abklatsch eines Drucks vom schwarzen Holzstock zu erkennen, was darauf hindeutet, dass die gedruckten Exemplare ohne Zwischenlagen zum Austrocknen der Druckfarbe aufeinandergelegt wurden. Unten links ist der Sammlungsstempel des Städelschen Kunstinstituts mit handschriftlich hinzugefügter Inventarnummer zu sehen. Rings um die Blattkante sind schon schmale Japanpapierstreifen für die Montierung der Grafik in eine dünne Kartonmaske angesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Die rechte untere Ecke des Blattes fehlt, sie soll mit Papierfaservlies angesetzt werden. Gut zu erkennen ist die satte grobkörnige Druckfarbe der Tonplatte des Holzschnitts.

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Das ca. 3 mm kleine Loch soll ebenfalls mit Papierfasern geschlossen werden. Im vergrößerten Ausschnitt verweisen die vier nacheinander gedruckten Farben auf die Druckfolge der vier Holzstöcke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Das Loch befindet sich verso in der Handschrift des berühmten Sammlers mit Feder und brauner Tinte: "Mariette 1720".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6 Farblich geeignetes Fasermaterial wird zum Original passend ausgewählt und in Wasser aufgeschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7 Dann wird es auf ein Polyestervlies gegossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Das etwas zu große getrocknete Papierfaserstück wird an die Fehlstelle angepasst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Alle an Originalen notwendigen Verklebungen werden mit einem reversiblen organischen Klebstoff ausgeführt. Hier wird Reisstärkepulver in Wasser eingesumpft und anschließend beim Kochen verkleistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10 Der Kleister wird mit feinem Pinsel an den Kanten der Fehlstellen aufgetragen, hier werden die Ergänzungen angesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11/12 Das Loch ist geschlossen,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13/14 Die Ecke ist ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über eine abschließende Retusche des eingesetzten Papiers kann diskutiert werden.

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