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Triptychon

LUCAS CRANACH D. Ä.: TRIPTYCHON MIT DER HEILIGEN SIPPE

 

MITTELTAFEL

Die Mitteltafel des Triptychons besteht aus sechs querverleimten Lindenholzbrettern, deren Maserung horizontal verläuft. Sie wurde bei einer früheren Restaurierung stark gedünnt und auf eine Trägerplatte aus Buchenholz geleimt. Da die originale Lindenholztafel und die spätere Trägerplatte zusammen nur 6 mm stark sind, wurde die Rückseite der Trägerplatte aus Stabilitätsgründen mit einem Holzparkett versehen.



Die Lindenholztafel weist Spuren eines Schädlingsbefalls auf, außerdem ist bei der Übertragung ein ca. 4 cm breiter Streifen verloren gegangen. Diese Fehlstelle in der originalen Holztafel verläuft in Höhe des Knies der Madonna über die gesamte Tafelbreite und wurde bei der Übertragung durch ein schmales Holzbrett ersetzt. Grundierung und Malerei sind in diesem Bereich ergänzt. Die Mitteltafel ist am oberen Rand etwas beschnitten.

Durch diese Maßnahmen an der Mitteltafel wurden Grundierung und Malerei auf der Vorderseite stark in Mitleidenschaft gezogen. Mit dem inzwischen ersetzten ca. 4 cm breiten Holzstreifen ist die gesamte auf ihm liegende Malerei verloren gegangen. Die in Öl ausgeführte Ergänzung hat sich bei der Alterung stark verfärbt und zieht sich als fehlfarbener Streifen quer über die Malfläche. Viele Fehlstellen in der Malerei sind zudem durch das Arbeiten des Trägerholzes bei Klimaschwankungen und durch ausfliegende Holzschädlinge entstanden. Auch hier sind die kaschierenden Ölretuschen inzwischen stark verfärbt. Lasuren, die in der Komposition als Schattenangaben aufgetragen waren, sind vor allem in den Inkarnaten stark verputzt, das heißt bei einer früheren Restaurierung durch Anwendung zu scharfer Lösemittel verletzt worden.



In einigen Bildpartien ist die Haftung zwischen Malschicht, Grundierung und Träger nicht mehr stabil, Farbpartikel beginnen sich vom Untergrund zu lösen. Bei vorangegangenen Restaurierungen wurde in unregelmäßiger, inzwischen leicht vergilbter Naturharzfirnis aufgetragen.

 

 

 

 

 

Mitteltafel nach Freilegung, vor Retusche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Festigung gelockerter Grundierungs- und Malschichtpartien wurden sämtliche nachträglich aufgetragenen Firnisschichten und Ölretuschen entfernt und nur die malerischen Ergänzungen über dem ersetzten Holzstreifen belassen. Auf einem neu aufgetragenen dünnen Naturharzfirnis wurden die Fehlstellen in der Lindenholztafel, der Grundierung und der Malschicht gekittet und retuschiert.

SEITENFLÜGEL

Als weniger gravierend erwiesen sich die Schäden an den beiden Altarflügeln. Aufgrund ihrer beidseitigen Bemalung wurden sie – anders als die Mitteltafel des Altars – nicht auf einen zweiten, stützenden Holzträger aufgebracht. Dennoch mussten auch an den Flügeln erhebliche Verluste und Beschädigungen in der Malerei festgestellt werden, bedingt durch die Konstruktion der Tafel, durch Klimaschwankungen und grob durchgeführte, alte Reinigungsmaßnahmen.

Wie die Mitteltafel sind auch die Altarflügel aus mehreren querverleimten Einzelbrettern zusammengesetzt, für Hochformate eine eher ungewöhnliche Konstruktion. Klimaschwankungen bewirkten Schwund und Quellbewegungen, die zu Veränderungen und Verlusten in den Malschichten führten. Zunächst entstanden lange, horizontale Craquelésprünge, an denen sich die Ränder der Farbschollen hochstellten. Hier wurde bei früheren Reinigungsmaßnahmen die Farbe durch scharfe Lösemittel und mechanische Beanspruchung bis auf die Grundierung abgerieben. In der Folge drang bei weiterer Reinigung Wasser ein, welches die Grundierung anquellen ließ und mancherorts auflöste, so dass in einigen Bildpartien schmale, horizontale Gräben in der Malschicht entstanden. Diese Schäden konzentrierten sich auf Bereiche im unteren Drittel der Bildtafeln, wo offensichtlich weniger qualitätvolle Bretter verarbeitet wurden. Vorderseitig sind in besonderem Maße die Inkarnate der dargestellten Personen betroffen, helle Partien also, die einer intensiveren Reinigung unterzogen worden waren.

Linker Flügel, Maria Kleophas, Gesicht nach Übermalungsabnahme
















Um die entstandenen Schäden zu kaschieren, hatte man während verschiedener Restaurierungsphasen in der Vergangenheit mehrfach Kittmassen in grober Weise aufgetragen, die teilweise weit über die originale Malerei reichten und zusätzlich die wellenartige Verformung der Bildoberfläche verstärkten. Hinzu kamen ausgiebige, inzwischen deutlich verfärbte Retuschen, welche die Qualität und Wirkung der Malerei stark beeinträchtigten. Aus diesem Grund wurde entschieden, nach den nötigen Konservierungsmaßnahmen alte Retuschen und Übermalungen abzunehmen und die Kittungen dort zu reduzieren, wo sie die originale Malerei überdeckten. Im Anschluss konnten die belassenen Reste alter Überarbeitungen auch farblich wieder angepasst werden. Mithilfe maßvoller Retuschen wurden auch entstandene Fehlstellen wieder in die originale Malerei integriert.



Linker Flügel. Maria Kleophas nach Abnahme alter Firnisse und Übermalungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Abschluss der Restaurierung präsentieren sich die Mitteltafel und die Innenseiten der Seitenflügel, obwohl ihr Erhaltungszustand sehr unterschiedlich ist, in einer bildästhetischen Einheit.


 

 

 

 

 

 

 

 



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