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TIZIAN (TIZIAN VECELLIO)

Studie für den heiligen Sebastian des Hochaltars in SS. Nazaro e Celso Brescia

um 1520

Feder und Pinsel in Graubraun, auf hellblauem Papier
Inv. Nr. 5518

18 × 11.5 cm

zur  Biographie

Der römische Offizier Sebastian überlebte, wegen seines christlichen Glaubens zum Tode verurteilt, eine Exekution durch Pfeilbeschuss und wurde später erschlagen. Als Schutzpatron gegen die Pest gehört er zu den besonders verehrten Heiligen. Tizian hat die muskulöse Gestalt des Märtyrers mit energischen, teils mehrfach gezogenen Federstrichen als ein Bild ausgesetzter, preisgegebener Kraft auf blaues venezianisches Papier gezeichnet. Der erste Pfeil hat eben den Heiligen getroffen, der mit brutal nach hinten gezogenem Arm an einen Pfahl oder Baumstamm gefesselt ist. Am oberen Rand beschnitten, lässt die Zeichnung den hochgezerrten rechten Arm Sebastians nicht mehr erkennen.

Die kraftvolle Figurenstudie gehört zu den beeindruckendsten unter den wenigen erhaltenen Zeichnungen Tizians; sie entstand zur Vorbereitung eines mehrteiligen Altargemäldes für die Kirche Santi Nazaro e Celso in Brescia. Ausgangspunkt Tizians war die Skulptur des »Rebellischen Sklaven« von Michelangelo (begonnen 1513, heute im Musée du Louvre in Paris), von der er durch Zeichnungen Kenntnis gehabt haben muss. Zwar übertrug er die komplizierte Drehung des Körpers in eine auf die Fläche eines Gemäldes angelegte Ansicht, doch spielt die vom Vorbild herrührende plastische Wirkung, besonders bei den Beinen, in der Zeichnung eine größere Rolle als im ausgeführten Gemälde. Dort geht es stärker um die Oberfläche des nackten Körpers und den Eindruck wehrlosen Hängens. In der Zeichnung ist das auf eine Säulentrommel gestellte rechte Bein des Heiligen korrigiert; Tizian zog es näher an den Körper heran. Um diese Korrektur zu verdecken, überging er die Fläche vor dem rechten Schienbein mit dem Tuschpinsel. Damit erprobte er gleichzeitig den Effekt eines dunklen Hintergrundes, im Vergleich zu dem hellen Papiergrund zwischen dem aufgesetzten linken Bein und dem Pfahl. In beiden Fällen entsteht eine räumliche Wirkung, der dunkle Kontrast steigert zudem die Plastizität des Beines. Die mehrfach nachgezogenen Konturen wirken eher plastisch als linear.

Bei der Erwerbung für das Städelsche Kunstinstitut, zu einem unbekannten Zeitpunkt zwischen 1830 und 1862, daher wahrscheinlich durch den Städelinspektor Johann David Passavant, galt das Blatt als eine Zeichnung des niederländischen Manieristen Jacques de Gheyn II. (1565–1625). Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es als eines der raren gezeichneten Werke Tizians identifiziert.

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