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PAUL CÉZANNE

Kastanienallee im Jas de Bouffan

1880er Jahre

Aquarell und Bleistift auf geripptem Bütten
Inv. Nr. 16334

31 × 47 cm

zur  Biographie

Der »Jas de Bouffan«, ein ländliches Anwesen aus dem 18. Jahrhundert am Rande von Aix-en-Provence, war seit 1859 im Besitz der Familie des Künstlers. Cézanne hielt sich gern in dieser Gegend auf, arbeitete in einem dort eingerichteten Atelier und später im Umland der Montagne Sainte-Victoire. Bereits seit Mitte der 1860er Jahre sind Landhaus und Garten Gegenstand seiner Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle. Die Kastanienallee bot ihm ein besonderes, von sich aus symmetrisches Motiv an. Die strenge Ordnung parallel gewachsener Baumreihen greift er in seiner Komposition auf und gibt dem vertrauten Anblick durch die charakteristischen Möglichkeiten des Aquarells einen klassisch anmutenden und zugleich zeitgemäßen Ausdruck. Es ist ein Werk, das eine intensive Wahrnehmung der Natur mit der gleichzeitigen Fähigkeit verbindet, sie den bildnerischen Gesetzen von Fläche und Raum, von Linie und Farbe zu unterwerfen.

Von leicht erhöhtem Blickpunkt aus, oberhalb eines seitlich angeschnittenen Brunnens, beschreibt Cézanne die architektonisch wirkende Reihung der in steinernem Grau gehaltenen Baumstämme. Der Allee folgend, reicht der Blick über ihr Ende hinaus, das durch eine flache Brunnenschale markiert ist. Indem die Ansicht leicht aus der Mittelachse gerückt ist, bilden die hoch aufragenden Stämme links eine enge Formation, während auf der gegenüberliegenden Seite Zwischenräume zu sehen sind, durch die das Sonnenlicht fällt. Über diesem ausgewogenen, geometrischen Gefüge aus vertikalen und horizontalen Kräften breitet der Künstler mit den Farben des Aquarells die Baumkronen aus und bestimmt so den eigentlichen Bildraum. Cézanne kappt die Wipfel der mächtigen Bäume, wodurch er dem Blattwerk eine gesteigerte Aussagekraft gibt. Dieses gestaltet er, indem er in der oberen Hälfte seiner Zeichnung ein reiches, zwischen grün und blau changierendes Spektrum transparenter, kurzer Farbflecken nebeneinander und vom Hellen zum Dunklen übereinander setzt. Die hieraus entstehende diagonale Ausrichtung eines rhythmisierten Farbauftrags, die das Papier überall durchscheinen lässt, suggeriert das Volumen der Kastanien und versucht eine gültige Beschreibung ihrer Natur zu geben. Die strenge Durchführung seiner Komposition, die alle plastischen Werte in ein zusammenhängendes räumliches und zugleich planimetrisches System einbindet, mag an Poussin erinnern, dessen Kunst Cézanne kannte und schätzte. Die künstlerische Vorstellung, die Cézanne in seiner »Kastanienallee« umsetzte, löst seine überlieferten Worte ein: »Poussin (...), aber ganz nach der Natur überarbeitet, das ist das Klassische, wie ich es meine«.

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