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© VG Bild-Kunst, Bonn 2013

RICHARD SERRA

Taraval Beach II

1977

Paintstick (Öl-/Wachskreide) auf Velin
Inv. Nr. SG 3380

97 × 127 cm

zur  Biographie

Eine schwarze, monumentale Rechteckform beherrscht diese Zeichnung des amerikanischen Bildhauers Richard Serra. In ihrer homogenen Dichte und Geradlinigkeit demonstriert sie eine geradezu radikale Flächigkeit. Die Oberfläche mit einer feinen horizontalen Strukturierung ist das Resultat eines in mehreren Lagen mit dem »Paintstick«, einem Gemisch aus schwarzer Öl- und Wachskreide, erfolgten Farbauftrags. Während ihr tiefes Schwarz das Licht absorbiert, vermittelt diese gleichsam »geschmiedete« Zeichnung die sinnliche Vorstellung von Masse und Gewicht.

Der Eindruck eines schwergewichtigen, unverrückbaren Blocks wird jedoch durch seine präzise Positionierung auf der hell belassenen Fläche des Papiers infrage gestellt. Aus der vertikalen Mittelachse gerückt und unmittelbar unterhalb der horizontalen Mittellinie platziert, bleibt die schwarze Form ohne »Bodenhaftung« und erhält eine Labilität, die auf die Wahrnehmung des Betrachters eine nahezu magnetische Anziehungskraft ausübt. Seit den frühen siebziger Jahren zeichnet Serra analog zu seiner plastischen, raumbezogenen Arbeit, die er Ende der sechziger Jahre mit Werken aus geschmolzenem und gegossenem Blei begonnen hatte. Mehr und mehr entwickelte er großformatige Stahlplastiken, sowohl für Innenräume als auch für den äußeren Stadt- wie Landschaftsraum, die nur in Zusammenarbeit mit Bauingenieuren und Stahlarbeitern realisiert werden konnten.

Die Zeichnungen Serras, die von Beginn an auf die Farbe Schwarz und den Hell-Dunkel- Kontrast reduziert sind, dienen weniger der Vorbereitung dieser dreidimensionalen Arbeiten. Als eine eigenständige, autonome Ausdrucksform, die jegliche Vorstellung von Dreidimensionalität in die Fläche zu projizieren verlangt, dient ihm die Zeichnung allerdings zur reflektierenden Klärung von Aspekten, die auch für seine Skulpturen maßgeblich sind. Vor allem aber erlaubt das Zeichnen dem Künstler die unmittelbare physische Handlung, die im Entstehungsprozess der Stahlskulpturen, die seiner Idee entsprechend umgesetzt werden, ausgeklammert bleiben muss. Diese gestaltende Energie des Bildhauers Serra bestimmt seine Zeichnungen und bleibt spürbar. Vier Jahre nach der Erwerbung von »Taraval Beach« stellte Richard Serra im Städel 1990 drei seiner monumentalen raumbezogenen Zeichnungen aus. Eine, »Inca«, blieb in der Sammlung und bildete für lange Zeit den Blickpunkt des Treppenhauses.

12345  Bewertung: (5.00)

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