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© VG Bild-Kunst, Bonn 2013

MAX BECKMANN

Bildnis Fridel Battenberg

1916

Bleistift auf Velin
Inv. Nr. SG 3282

30.8 × 23.5 cm

zur  Biographie

Das im Sommer des Kriegsjahres 1916 entstandene »Bildnis Fridel Battenberg« zählt zu den eindringlichsten und persönlichsten Bildniszeichnungen Max Beckmanns. In außergewöhnlicher Weise berichtet die Beschreibung der Dargestellten von der intensiven Zwiesprache des Künstlers mit seinem Gegenüber. Einem Spiegelbild gleich gibt er aus nächster Nähe die äußere Erscheinung wieder und fordert zugleich innehaltende Momente der Selbstreflexion und gegenseitiger Identifikation heraus.

Weit geöffnete Augen fesseln die Konzentration des Zeichners. Alles Beschriebene lässt er hinter die Intensität dieses Blickes zurücktreten: das Volumen der frisierten Haare, die prägnante Nase, die schmalen Lippen des geschlossenen Mundes, eine dezent schmückende Kette, die den Hals markiert und den skizzierten, sich verlierenden Oberkörper. Die schmächtigen Arme sind aufgestützt, so dass die markant beschriebenen Hände den Kopf in Position halten und zugleich das Blickfeld eingrenzen. Im Kontrast zu der Präsenz des artikulierten Gesichts wirken die übrigen Linien und Schraffuren unruhig und fahrig, als ob der Künstler den Blickkontakt mit seinem Modell im Prozess des Zeichnens nicht unterbrechen wollte.

Die zum Ausdruck gebrachte, gesuchte Einfühlung Beckmanns setzt die psychische Bindung zwischen ihm und der vertrauten Person voraus. Wie sehr dem Künstler daran gelegen war, in seiner Bleistiftzeichnung seine Aufmerksamkeit für die inneren Werte eines Menschen ebenso spürbar werden zu lassen wie eine von Achtung getragene Intimität, unterstreicht der hier sich anbietende Vergleich zur Andersartigkeit der Zeichnung von Ernst Ludwig Kirchner.

Fridel Battenberg (1880–1965) war die Ehefrau des Künstlers Ugi Battenberg (1879–1957), dem Freund Beckmanns aus gemeinsamer Studienzeit in Weimar. Das Paar lebte in Frankfurt und hatte den damals schon angesehenen Künstler 1915, nach einem Zusammenbruch als freiwilliger Sanitätshelfer im Ersten Weltkrieg, bei sich aufgenommen. Bis 1919 wohnte Beckmann in der Schweizer Straße 3 bei Battenbergs und das überlassene Dachatelier des Freundes blieb bis 1932 seine Arbeitsstätte. An die enge Verbundenheit während der ersten Frankfurter Jahre erinnern viele seiner Skizzen, Zeichnungen, Druckgraphiken und auch Gemälde wie die »Synagoge« (1919) im Städel.

Nachdem 1937 Beckmanns Werke im Städelschen Kunstinstitut fast ausnahmslos als »entartet« beschlagnahmt worden waren, konnte aus der Sammlung Battenberg nach und nach ein herausragendes Konvolut an Druckgraphiken und Zeichnungen erworben werden, darunter auch dieses, der Hauskatze »Titti« gewidmete Bildnis.


Weitere Werke

  • Die Weintraube Mehr
  • Selbstbildnis mit steifem Hut Mehr
  • Tegeler Freibad Mehr
  • Die Synagoge in Frankfurt am Main Mehr
  • Hinter der Bühne (Backstage) Mehr
  • Zirkuswagen Mehr
  • Tänzerin Mehr
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