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© VG Bild-Kunst, Bonn 2013

MAX BECKMANN

Die Weintraube

1944

Tusche über Bleistift auf geripptem Bütten
Inv. Nr. 16806 (Eigentum Städelscher Museums-Verein e. V)

26.5 × 37 cm

zur  Biographie

1937, unter dem Druck des Nationalsozialismus, flüchtete der als »entartet« verfolgte Künstler Max Beckmann nach Holland, wo er im Kriegsjahr 1944, nach fast sieben Jahren im Exil mit dieser Federzeichnung ein Sinnbild von außergewöhnlicher Aussagekraft schuf.
Ein einfach anmutender Pferdewagen überquert eine Brücke, die an die typischen, hoch gewölbten Grachtenbrücken Amsterdams erinnert. Der Kutscher mit einer unwirklich neben ihm positionierten Blondine ist eingenickt, während das vor den Wagen gespannte Pferd seines Weges zieht. Die weite Strecke, die das Fuhrwerk bereits zurückgelegt haben mag, lässt die links auf engem Raum in die Tiefe führende Uferstraße erahnen. Von einer Litfasssäule zum Teil verdeckt ist die ungewöhnliche Fracht. Es ist eine, auch durch den gewählten Titel hervorgehobene, überdimensionale Weintraube, deren Präsenz der Zeichner durch eine intensiv wiederholte Ausführung mit der Feder betonte und so regelrecht zum Glänzen brachte. Die Kenntnis des Alten Testaments wird die Quelle zu Beckmanns eigenwilliger Adaption gebildet haben. Erinnert doch die isolierte Frucht an jene riesige Traube, welche die aus dem Gelobten Land heimkehrenden Botschafter als Beweis für die in der Fremde herrschende Fruchtbarkeit mit sich trugen (4. Mose 13). Als aufmerksamem Beobachter wird dem Künstler diese biblische Szene auch auf manchem Giebelstein an den Häuserfassaden Amsterdams aufgefallen sein.

In Tagebuchaufzeichnungen und Briefen berichtet Beckmann von seiner Vorliebe für einsame, fast schwermütige Spaziergänge durch die Grachten der Stadt. Im April 1944 ist der Künstler gerade 60 Jahre alt geworden, von einer Lungenentzündung noch nicht genesen, von Schlaflosigkeit und von der Angst vor einer drohenden Einberufung zum Kriegsdienst geplagt und in dem immer unsicherer werdenden Aufenthaltsort mit der zerschlagenen Hoffnung auf die Auswanderung nach Amerika konfrontiert.


In Anbetracht dieser Lebensumstände des Künstlers und der Imaginationen seiner gerade beendeten Illustrationen zu Goethes »Faust. Der Tragödie zweiter Teil« gleicht die traumhaft anmutende Bildschöpfung seiner »Weintraube« einer Metapher. Max Beckmann nahm diese Zeichnung 1947 mit sich nach New York, wo sie in den Besitz einer engen Freundin des Ehepaars Beckmann überging. Bereits 1939 war auch sie aus Deutschland nach Amerika emigriert.


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