OBERRHEINISCHER MEISTER (TÄTIG UM 1410/20)
Paradiesgärtlein
um 1410/20
Mischtechnik auf Eichenholz
Inv. Nr. HM 54 (Seit 1922 Leihgabe des Historischen Museums Frankfurt am Main)
26.3 × 33.4 cm
In dem berühmtesten Bild der altdeutschen Schule im Städel paart sich der höfische Charme des spätgotischen, sogenannten „Weichen Stils“ mit realistischer Naturbeobachtung: 24 Pflanzen- und 12 Vogelarten sind identifizierbar. Inmitten von Pfingstrosen und Akelei, Erdbeeren und Maiglöckchen tummeln sich Wiedehopf und Pirol, Blaumeise und Buntspecht. Der Künstler kennt auch das Verhalten der Tiere: So lauert ein Eisvogel am Ablauf des Brunnens auf Fische, obwohl im Paradies normalerweise Frieden herrscht. Auf einer Rasenbank vor der Gartenmauer hat sich Maria im Kreise der Heiligen niedergelassen. Ungewöhnlicherweise kommt sie zu frommer Lektüre, da eine Heilige mit dem Christuskind spielerisch musiziert. Ein Männerchor von Heiligen fällt rechts mit Gesang ein. Während diese durch Attribute wie den Drachen des hl. Georg identifizierbar sind, bleiben die Frauen anonym. Offenbar ganz bewusst durchmischt die profane Thematik der Liebesgärten und höfischen Gesellschaften in Schlossparks die sakrale Ikonographie des Paradieses, was sicher auf spezifische Wünsche der Auftraggeber, möglicherweise Nonnen eines elsässischen oder oberrheinischen Klosters, zurückgeht.













Dieses Bild öffnet sich mit seinen fröhlichen Farben und einer wahrhaft paradiesischen Komposition dem Betrachter und lädt ihn ein, an diesem himmlischen Geschehen teil zu haben. Und doch lässt das kleine Bild einen darüber im Unklaren, was genau man eigentlich betrachtet. Kein Bild hat mich bis jetzt so fasziniert....
Ich liebe das Paradiesgärtlein, weil es uns durch seine Realismen den Anschein gibt, wir wüssten, was wir sehen und es doch verrätselt bleibt. Das Bild war meine Tür in die Kunstgeschichte.
Ich liebe ja das kleine Teufelchen und Drachen... ;-)